Journalistin | Trainerin | Consultant

The revolution will not be televised – Tunesische Kurzfilme in Frankfurt und Wiesbaden

Die tunesische Revolution hat im Kino ihre Spuren hinterlassen – und sie hat sich angekündigt. Kurzfilme wie Le Stade (Alaeddine Slim) und Coma (Alaeddine Aboutaleb), Vivre (Walid Tayaa) und Condamnation (Walid Mattar) haben lange vor dem Sturz Ben Alis einen Blick auf die sozialen Missstände, auf Spannungen und Frustration der Gesellschaft geworfen.

Neben einer Welle “Revolutionsfilme”, die sich direkt den Ereignissen rund um den 14. Januar widmen, werfen andere einen Blick hinter die Kulissen, auf die Ursachen, Probleme und Herausforderungen für den kleinen Mittelmeerstaat auf dem verschlungenen Pfad zur Demokratie.

Eine Auswahl tunesischer Kurzfilme, die ich für das Lichter Filmfest  zusammengestellt habe, zeigt den Blick junger tunesischer Regisseure auf Politik, Gesellschaft und Revolte.

(more…)


Doc à Tunis – revolutionär?

Doc à Tunis gibt sich dieses Jahr revolutionär mit Filmen aus Tunesien und Ägypten, die sich der aktuellen politischen Situation annehmen. Dass das Programm eher knapp und ein bisschen zusammengewurschtelt aussieht: normal, schließlich war hier vor drei Monaten noch Revolution. Dass das Festival trotzdem stattfindet: hervorragend. Das Sihem Belkhodja sich als große Revolutionärin darstellt: no comment….

Die Zusammensetzung des Organisations-Teams sorgte im Vorfeld in Tunis für mehr Diskussionen als das Programm. Hichem Ben Ammar, ehemaliger künstlerischer Leiter, hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, zu gehen – und inzwischen sein eigenes Dokumentarfilmprogramm angeschoben. Bleibt Khemais Khayati: der hatte im vergangenen August noch die berühmte “Liste der 65″ unterzeichnet, die Ben Ali aufrief, sich 2014 erneut zur Wahl zu stellen. Und Sihem Belkhodja, Gründerin des Festival, ebenfalls Unterzeichnerin besagter Liste und schon lange gut vernetzt, sowohl nach oben als auch nach Frankreich. La Presse berichtete letzte Woche noch, Belkhodja sei nicht mehr dabei – am Samstag bei der Pressekonferenz zur sechsten Auflage des Festivals war sie dann doch sehr präsent. Ob ein “revolutionäres” Festival reichen wird, um sich reinzuwaschen?


“Die Welt draußen ist verrückt, nicht wir”

So langsam geht es wieder aufwärts mit dem kulturellen Leben in Tunis. Nach dem großen Schweigen der Kulturszene zur Revolution bilden sich inzwischen einige Initiativen, und alte Bekannte kommen mit neuen Konzepten zurück. Unter anderem Hichem Ben Ammar, der ehemalige künstlerische Leiter von Doc à Tunis, der jetzt sein eigenes Programm auf die Beine gestellt hat. Mehr auf dem Blog.