Ein tunesischer Fernsehsender soll eine gezielte Schmutzkampagne gegen eine NGO organisiert haben. Die Veröffentlichung einer geheimen Tonaufnahme sorgt für Aufregung.

„Kollaborateure, Spione, Korrupte! Diebe, Betrüger, die das Land zerstören wollen, bei den Arschlöchern arbeiten… so in diesem Stil!“. Mit diesen und ähnlichen Worten versuchten Redakteure des Privatsenders Nessma TV offenbar die Mitarbeiter eines tunesischen Vereins zur Korruptionsbekämpfung zu diffarmieren. Anfang der Woche fand die geleakte Audioaufnahme aus einer Redaktionssitzung, bei der der Plan für die Schmutzkampagne angeblich besprochen wurde, ihren Weg ins Internet. Seither sorgt sie für erregte Diskussionen über den Zustand der tunesischen Presselandschaft.

Zu hören sind in dem knapp fünfminütigen Mitschnitt der damalige Direktor des Senders, Nabil Karoui, und seine Chefredakteurin. Karoui, ein einflussreicher Geschäftsmann und ehemaliges Führungsmitglied der Regierungspartei Nidaa Tounes, schlägt unter anderem vor, Familien und die Verlobten der Vorstandsmitglieder des Vereins iWatch gezielt ins Visier zu nehmen. iWatch ist die tunesische Sektion von Transparency International und zählt zu den Organisationen, die mit am lautesten zum Kampf gegen Korruption in dem Land aufrufen.

Zwischen beiden Seiten schwelt schon seit dem Sommer 2016 eine Auseinandersetzung. iWatch hatte Nabil Karoui und seinen Bruder damals in einem Bericht unlauterer Geschäftspraktiken beschuldigt. „Kurze Zeit danach begannen die Einschüchterungsversuche gegen uns. Insofern gehen wir davon aus, dass die Tonaufnahme ungefähr aus diesem Zeitraum stammt“, sagte Mouheb Garoui, Generalsekretär von iWatch, zur DW. Immer wieder attackierte Nessma TV in seinen Sendungen die Organisation und weigerte sich gleichzeitig, iWatch Sendezeit für eine Gegendarstellung einzuräumen. mehr

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